Mit übereinandergeschlagenen Beinen sitzt Andrea Anastasi auf der Podiumscouch des Firmensitzes der Berlin Recycling GmbH. Der Italiener lacht, gemeinsam mit seinem Kapitän Ruben Schott. Die Stimmung beim Hauptstadtklub ist gut vor dem Start der neuen Bundesligasaison. Am Mittwoch empfangen die BR Volleys FT 1844 Freiburg in der Max-Schmeling-Halle (19 Uhr).

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Dem neuen Trainer des Serienmeisters eilt schon jetzt ein klanghafter Ruf voraus. Als „Pep Guardiola des Volleyballs“ hatte Volleys-Geschäftsführer Kaweh Niroomand den Coach der Berliner bezeichnet. Das hat mit dem Arbeitsethos des 66-Jährigen zu tun, der 1999 und 2003 die Europameisterschaft mit Italien gewann und mit Spanien den EM‑Sieg 2007 feierte. Auch auf Vereinsebene war Anastasi erfolgreich. Bei der Klubweltmeisterschaft 2022 holte er mit dem italienischen Team Sir Safety Perugia den Titel.

Auch mit den Volleys konnte Anastasi gleich zu Beginn den ersten Erfolg feiern. Am vergangenen Sonntag gewannen die Volleys das Ligacup-Finale gegen die Grizzlys Gießen mit 3:2 (27:25, 23:25, 25:20, 26:28, 15:13) und sicherten sich den Titel. „Ich bin sehr glücklich, wie sich die Mannschaft hier durchgekämpft hat. Wir haben Kampfgeist und Widerstandsfähigkeit bewiesen“, sagte Anastasi nach dem Spiel. Doch das Hauptziel ist ein anderes. Trotz aller Titel krönte sich Anastasi nie mit einer nationalen Meisterschaft. Das soll sich in Berlin ändern.

BR Volleys wollen erneut Meister werden

Kapitän Schott sprach vor dem Liga-Auftakt am Mittwoch klare Worte. „Das größte Ziel für uns als Mannschaft ist es, deutscher Meister zu werden“, erklärte der 32‑Jährige. Er ergänzte: „Das ist der Titel, auf den man über das ganze Jahr hinweg hinarbeitet.“ Auch den DVV‑Pokal möchten die Berliner zurück in die Hauptstadt holen.

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Geschäftsführer Kaweh Niroomand kritisiert den Weltverband.© picture alliance / nordphoto GmbH | nordphoto / Engler

Der neue Trainer soll sowohl nationalen als auch internationalen Erfolg bringen. In der vergangenen Spielzeit verpassten die BR Volleys den Einzug ins Viertelfinale der Champions League. Auch in dieser Saison hat man es mit den Gruppengegnern Galatasaray Istanbul (Türkei) und Panathinaikos Athen (Griechenland) nicht einfach. Laut Niroomand ist das Ziel, die Gruppe zu überstehen.

Das Team soll auf dem Platz als Kollektiv überzeugen

Anastasi möchte seinen Profis eine modernere Spielweise aufzeigen, um auf internationaler Ebene mithalten zu können: „Wir müssen gut organisiert sein und immer wissen, was wir zu tun haben.“ Er führte fort: „Wir müssen wissen, was wir mit den Aufschlägen machen.“ Ziel ist, dass sein Team als Kollektiv auf dem Platz agiert. „Mein Ziel ist es, dass alle mit einer bestimmten Idee zusammenspielen“, sagte Anastasi.

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Der Italiener bleibt kritisch mit seiner Mannschaft: „Das Level, das wir gerade haben, reicht nicht, um in der Champions League weit zu kommen.“ Er erklärte jedoch, dass seine „Jungs“ auf einem guten Weg seien. „Mit jedem Tag kommen wir unserem besten Volleyball ein Stück näher“, sagt er. Nicht nur das Spielerische sei essenziell, sondern auch die Einstellung auf dem Feld: „Wenn du ein Team mit Persönlichkeit bist, dann hast du einen Vorteil und bist auf einem guten Weg.“

Erik Shoji ist zurück in Berlin

Die Volleys befinden sich weiterhin in einem Umbruch. „Einen solchen Umbruch haben wir noch nie gehabt“, erläutert Niroomand. Unter anderem verließen Diagonalangreifer Jake Hanes, Mittelblocker Nehemiah Mote und Außenangreifer Moritz Reichert den Verein. Dennoch blieben Spieler wie Ruben Schott und MVP (Bester Spieler der Saison) Florian Krage-Brewitz erhalten. Acht von 14 Spielern sind neu zum Team gestoßen.

Wir müssen gut organisiert sein und immer wissen, was wir zu tun haben.

Andrea Anastasi, Trainer der BR Volleys

Erik Shoji ist einer der Top-Zugänge der Saison. Der US‑Amerikaner spielte bereits von 2014 bis 2016 für die BR Volleys und gewann 2016 das Triple (deutscher Meister, DVV-Pokalsieger und CEV‑Pokalsieger). Trainer Anastasi schwärmte bereits von seinem neuen Libero: „Erik spielt ein Level höher, er ist ein sehr guter Spieler, der uns viel helfen kann.“ Der Italiener verglich den 37-Jährigen sogar mit Jesus. „Wenn ein freier Ball kommt, ist vor ihm alles frei – wie Jesus, der das Rote Meer spaltet“, sagt er lachend.

Manager Niroomand kritisiert den Weltverband

Derweil kritisierte Niroomand den Volleyball-Weltverband (FIVB) wegen der Ansetzung der Ligatermine. Den 73-Jährigen stört die Tatsache, dass die nationalen Ligen im Handball, Basketball, Eishockey und Fußball bereits begonnen haben. „Wir leiden darunter, weil der Weltverband einfach nach wie vor nicht in der Lage ist, eine Jahresplanung zu erlauben, in der auch die Interessen der Vereine berücksichtigt werden“, sagt der Manager.

Besonders problematisch sei diese unkoordinierte Terminierung für die Vereine, die dadurch erhebliche organisatorische und finanzielle Nachteile in Kauf nehmen müssen. Die BR Volleys spielen vermehrt unter der Woche, das bedeutet weniger Zuschauer und damit auch weniger Einnahmen. „Die Zuschauereinnahmen sind für uns viel wichtiger geworden und ein maßgeblicher finanzieller Faktor“, erklärte Niroomand.